1. Welchem Ziel dient der Energieausweis?
In privaten Haushalten stellen die Heizkosten den größten Anteil der Betriebskosten dar. So wird in Deutschland ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs für die Raumheizung und Warmwasserbereitung aufgewendet. Dennoch ist, anders als bei vielen Haushaltsgeräten und Autos, der Energiebedarf bzw. Energieverbrauch von Gebäuden für deren Nutzer meist eine unbekannte Größe. Hier soll der Energieausweis ansetzen: Er soll ein Informationspapier für den potentiellen Käufer und Mieter einer Immobilie sein und über die zu erwartenden Energiekosten Auskunft geben. Ansprüche (z.B. auf Modernisierung) sollen aber nicht aus ihm abgeleitet werden können. Durch die starke Vereinfachung der Rechenmodelle und Annahmen der Energieausweise kann der Energiepass diesem Ziel nicht gerecht werden. Die dargestellten Kennzahlen bieten lediglich eine grobe Orientierung. Tatsächliche Energieverbräuche können deutlich abweichen. Die bisher freiwillige Vorlage/Übergabe des Energieausweises bei Verkauf und Vermietung hat in der Praxis keinen Einfluss auf Immobilientransaktionen. Daher setzt der Verordnungsgeber jetzt mit erweiterten Pflichten und Bußgeldern die Vorlage / Übergabe von Energieausweisen für Immobilien durch.

2. Der Energieausweis ist Pflicht!
Die schrittweise Einführung des Energieausweises begann am 1. Juli 2008 alle Übergangsfristen –auch für Nichtwohngebäude- sind zum 1. Juli 2009 ausgelaufen.

3. Wem muss der Energieausweis vorgelegt werden?
Anders als in der Vergangenheit muss der Energieausweis spätestens bei der Besichtigung, sei es zur Neuvermietung oder zum Verkauf einer Immobilie dem jeweiligen Miet- oder Kaufinteressenten „vorgelegt werden“ (§ 16 Abs. II S.1 EnEV 14) Die Vorlagepflicht bei der Besichtigung kann auch durch einen deutlich sichtbaren Aushang erfüllt werden. Findet keine Besichtigung statt muss dem potentiellen Vertragspartner unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern) der Energieausweis oder eine Kopie desselben vorgelegt werden. Ansonsten gilt, dass der Ausweis oder eine Kopie unverzüglich vorzulegen ist sobald der Interessent danach fragt. Nach Vertragsschluss ist der Energieausweis oder eine Kopie davon unverzüglich auszuhändigen. Die Möglichkeit beim Vertragsschluss Einsicht in den Energieausweis zu nehmen genügt dem Verordnungsgeber nicht mehr.
Bestandsmieter haben weiterhin keinen Anspruch auf Einsicht in den Energieausweis.

4. Wer stellt den Energieausweis aus?
Bei Neubauten wird der Ausweis vom Architekten oder Bauingenieur ausgestellt, der Eigentümer muss ihn auf Verlangen der Bauaufsichtsbehörde vorlegen können.
Bei Bestandsbauten können sowohl Handwerker wie auch Architekten oder Bauingenieure Aussteller sein. Energieausweise auf Basis des Verbrauchs können kostengünstig von den Heizkostenabrechnungsunternehmen erstellt werden.

Auch die Fortbildung zum Energieberater berechtigt zur Ausstellung von Energieausweisen. Eine Datenbank der zugelassenen Energieausweisersteller findet sich z.B. unter www.dena.de.
Mit der EnEV 2014 werden die Anforderungen an die Aussteller von Energieausweisen verschärft. Eine Registrierung jedes einzelnen Energieausweises wird erfolgen und es werden Stichprobenkontrollen der Energieausweise durchgeführt werden.

5. Welche Arten von Energieausweisen gibt es?
Es gibt zwei Ausweisvarianten – den Energieverbrauchsausweis (1) und den Energiebedarfsausweis (2).
Unter dem Energiebedarf (2) versteht man sämtliche auf Grundlage von theoretischen Berechnungen benötigte Energie eines Gebäudes. Heizung und Warmwasser haben daran den größten Anteil. Berücksichtigung finden bei der Berechnung auch Lüftung, Kühlung, Aufzüge auf der Verbrauchsseite wie auch Energiegewinne durch Sonnen-einstrahlung in Fenster und Solaranlagen.
Der Energieverbrauch (1) stellt einen Wert dar, der aus dem tatsächlichen Energieverbrauch der Immobilie auf Basis der letzten drei Heizkostenabrechungen ermittelt wird. Leerstand und Klimazonen werden rechnerisch berücksichtigt. Beide Ausweisvarianten sind 10 Jahre gültig und sollen nach dem amtlichen Muster nebeneinander stehen.

6. Wie teuer sind die Energieausweise und wer zahlt die Kosten?
Wegen des großen Berechungsaufwands ist für den Bedarfsausweis mit Kosten nicht unter 300 € pro Gebäude zu rechnen, der Verbrauchausweis hingegen wird nicht mehr als 100 € pro Gebäude kosten. Im Internet finden sich zahlreiche Angebote die vom Eigentümer die Eingabe der Gebäude- bzw. Verbrauchsdaten abfordern und damit den Energieausweis auch zu weit geringeren Kosten anbieten.
Die Kosten der Ausweiserstellung treffen den Eigentümer bzw. die Wohnungs-eigentümergemeinschaft. Es ist nicht möglich, diese Kosten als Teil der Betriebskosten an den Mieter weiterzugeben. Steuerlich können die Kosten durch den Eigentümer bei Vermietung und Verpachtung geltend gemacht werden.

7. Wer muss welchen Energieausweis vorlegen?
Eigentümer von Gebäuden mit mehr als vier Wohneinheiten können völlig frei zwischen dem verbrauchs- und bedarfsbasierten Energieausweis wählen. Eigentümer von Gebäuden mit bis zu vier Wohneinheiten deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde, sind grundsätzlich auf den Bedarfsausweis angewiesen. (§ 17 Abs. II EnEV 2014)
Allerdings gibt es von diesem Grundsatz auch Ausnahmen:

das Gebäude hat schon bei der Baufertigstellung das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 erreicht
oder das Gebäude ist durch spätere Änderungen (z.B. Einbau neuer Wärmeschutzfenster) energetisch auf das Anforderungsniveau der ersten o.g. Wärmeschutzverordnung gebracht worden, dann besteht Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis.
Wer Mittel aus den staatlichen KfW-Förderprogrammen für die Gebäudesanierung in Anspruch nehmen möchte, muss zwingend einen Bedarfsausweis vorlegen – unabhängig von der Zahl der Wohneinheiten und dem Alter des Gebäudes.

8. Muss für denkmalgeschützte Gebäude ein Energieausweis erstellt und übergeben werden?
Nein, EnEV § 16, Absatz 5 S. 2 stellt Baudenkmäler ausdrücklich von der Verpflichtung zur Vorlage/Übergabe eines Energieausweises bei Verkauf und Vermietung frei. In § 2 Abs. 1 Nr. 3a EnEV wird definiert, das Baudenkmäler alle nach Landesrecht geschützten Gebäude oder Gebäudemehrheiten sind.
Im Falle einer Modernisierung, Sanierung eines Denkmals oder sonstiger erhaltenswerter Bausubstanz kann auf Antrag von der EnEV 2014 abgewichen werden. (§ 24 EnEV 2014)

9. Sind weitere Gebäude von den Pflichten nach EnEV befreit?
Von den Verpflichtungen der EnEV sind gemäß § 16 Abs. 5 EnEV 2014 kleine Gebäude unter 50 m² Nutzfläche befreit. Gleiches gilt für Gebäude, die nicht unter Einsatz von Energie beheizte oder gekühlt werden (also wohl auch ungenutzte, als Abriss zu bewertende Gebäude) und zahlreiche Betriebsgebäude, Traglufthallen, zu religiösen Zwecken genutzte Gebäude etc. Details der Befreiungen regelt § 1 Abs. 2 und 3 EnEV 2014.

10. Was gilt für gemischt genutzte Wohn- und Geschäftshäuser?
Der Energieausweis wird für Gebäude (nicht für einzelne Wohnungen) ausgestellt. Auch gemischt genutzte Gebäude sind entsprechend in einem Ausweis zu erfassen. (§ 17 Abs. 3 EnEV 2014)
Energieausweise sind für Teile von Gebäuden zu erstellen, wenn sich Teile des Wohngebäudes hinsichtlich ihrer Nutzung und der gebäudetechnischen Ausstattung wesentlich von der Wohnnutzung unterscheiden und diese Teile einen nicht unwesentlichen Teil der Gebäudenutzfläche umfassen. Diese Flächen sind getrennt als Nichtwohngebäude im Ausweis zu erfassen. (§ 17 Abs. 3 i. V. m. § 22 Abs. 1 EnEV 2014)

Wenn der Sachverständige, also für ein Gebäude einen Wohn- und einen Nichtwohngebäudeausweis erstellt hat, nutzen Sie bei der Insertion bitte jeweils den Ausweis, der die Angaben für den von Ihnen beworbenen Gebäudeteil enthält.
Wurde ein Energieausweis für das gesamte Gebäude erstellt ist dieser maßgeblich.

 

Quelle: https://ivd.net/2017/02/tipps-fuer-makler-und-eigentuemer-fuer-die-insertion/?cn-reloaded=1

Menü

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz. Impressum

Zurück